Europa-Abend in Ochtrup

Heiter, nachdenklich und auffordernd zugleich kam der Europa-Abend mit Liedern und Lyrik am vergangenen Samstag in der Aula des Schulzentrums an der Lortzingstraße daher...

Einen unterhaltsamen und zugleich nachdenklich Europa-Abend mit Liedern und Lyrik bot am vergangenen Samstag die Kabarettistin Ingrid Helmer mit Ihrer Gruppe Kapon in der Aula des Schulzentrums. Foto: Bernd Weber

Ochtrup. Heiter, nachdenklich und auffordernd zugleich kam der Europa-Abend mit Liedern und Lyrik am vergangenen Samstag in der Aula des Schulzentrums an der Lortzingstraße daher. Die Kabarettistin Ingrid Helmer spannte mit Ihrer Musikgruppe Kapon den Bogen von den „Trizonesiern“ der Nachkriegszeit über die Friedensbewegten in den 80ern bis hin die die heutige Zeit. Bürgermeisterin Christa Lenderich begrüßte zu dieser „Zeitreise durch sieben Jahrzehnte“ ein interessiertes Publikum aus Ochtrup und den Nachbarorten. Anlass für diesen Abend war das 75-jährige Jubiläum der Europa-Union Steinfurt e.V. Deren Vorsitzende Dr. Angelika Kordfelder betonte, dass das friedliche Miteinander in Europa keine Selbstverständlichkeit sei. Daher habe sich die im Jahr 1947 auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges entstandene Europa-Union zum Jubiläum entschieden, ein Zeichen für die Ukraine und für friedliches, freiheitliches und demokratisches Europa zu setzen.


Zum Mitsingen und Nachdenken forderte Ingrid Helmer das Publikum auf. Anfangs zeichnete sie mit den von ihrer Musikgruppe Kapon interpretierten Schlagern der damaligen Zeit die Stimmung der Menschen in der Nachkriegszeit und in der dann einsetzenden Zeit des Wirtschaftswunders nach. Der im Jahr 1947 komponierte Hit „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ stand am Beginn und für die Zeit der besetzten Zonen der damals noch nicht gegründeten Bundesrepublik. Das Interessante daran, dieser „Gassenhauer“ entwickelte sich zeitweise zur „Ersatznationalhymne“ der Bewohner in den drei westlichen Zonen und wurde sogar als Hymne bei Siegerehrungen auf internationalen Sportfesten gespielt. Der damalige Ohrwurm von den „Capri Fischern“ zeigte die Träume der Menschen von Freiheit und Ferne in der Nachkriegszeit auf. Diese Sehnsucht der Menschen nach Fernweh und Reiselust verkörperte auch der Ohrwurm „Schön, so schön war die Zeit“, mit der Freddy Quinn in den 1950er Jahren große Erfolge erzielte und bei dem das Publikum noch heute mindestens mit summt.


Mit Konstantin Weckers „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“, leitete die Gruppe den nachdenklichen Teil des Abends ein und rief am Ende das Publikum auf: „Wo alles dunkel ist, macht Licht!“. Mit „Nein, meine Söhne geb´ ich nicht“, von Freunde und Reinhard Mey, begann die Absage an Krieg und an das Buckeln vor der Obrigkeit. Nahezu allen bekannte Friedenslieder der 1980er Jahre folgten.
Zu den Höhepunkten des Abends zählten sicherlich die von Peter Ricken vorgetragene Version des Liedes“ Blowin‘ in the Wind“ von Bob Dylan. Seine „vereinfachte“ und in die Umgangssprache übersetze Version von „Richtig Antwort muse pfeife inne Wind“ mit Gitarre und Mundharmonika war neben seinem Solo auf der Geige eine mit viel Applaus bedachte Leistung. Ingrid Helmer glänzte als die aus der griechischen Mythologie bekannten Göttin Hera, zugleich Gattin und Schwester vom Göttervater Zeus. Ihr kritischer Blick vom Olymp auf das heutige Europa legte so manche Schwachstelle des heutigen Kontinents bloß.


Mit dem vom Publikum mitgesungenen „Nehmt Abschied Brüder“ ging der von viel Musik getragene Abend zu Ende. Und neben Texten u.a. von Wolfgang Borchert und Hans Dieter Hüsch regte diese Musik, vorgetragen von Ingrid Helmer mit ihren Vollblutmusikern Norbert Richter (Klavier), Brigitte Beckmann und Anna Voßel (Gesang), Hermann Richter (Gitarre) und Peter Ricken (Geige und Gitarre) zum Nachdenken an.
Bürgermeisterin Christa Lenderich und Vorsitzende Dr. Angelika Kordfelder sammelten am Ende für die Ukraine-Hilfe im Kreis und von den zumeist begeisterten Gästen war zu hören, dass viel mehr hätten den Abend erleben müssen. Ihnen wurden die noch folgen-den Europa-Abende in Ibbenbüren (23.09.) und Rheine (24.09.) empfohlen. Auskünfte dazu auf der Internetseite www.Steinfurt.Europa-Union.de

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