Die Verwüstungen des Krieges waren noch allgegenwärtig, als überzeugte Europäer mit einer schwachen aber unbeugbaren Hoffnung auf Frieden im September 1946 in Hertenstein am schweizerischen Vierwaldstätter See eine Europäische Gemeinschaft auf föderativer Grundlage als einen notwendigen und wesentlichen Bestandteil jeder wirklichen Weltunion forderten.
Das „Hertensteiner Programm“ wurde zum Grundsatzprogramm der Europa-Union, deren deutsche Organisation am 25. November 1946 in Syke bei Bremen gegründet wurde. Wie „Pilze aus dem Boden“ schossen in den folgenden Wochen und Monaten überall im Land die Landes- und Bezirksgruppen der Europa-Union. Aber auch andere, frühe Europa-Gruppen waren in Deutschland aktiv. Kurt Naber aus Rheine wurde als Gründungsgeschäftsführer der Europa-Union im Kreis Steinfurt eingesetzt. Er geriet wohl schon recht früh in die damaligen Auseinandersetzungen zwischen der Europa-Union und dem Europa-Bund, die von einem Zeitzeugen als einen „ungleichen Kampf“ zwischen beiden Organisationen von Juni 1947 bis zum Februar 1948 bezeichnet wurde. Beide Organisationen waren auch in den Städten und Gemeinden des heutigen Kreises Steinfurt aktiv, so auch in Burgsteinfurt, Borghorst, Greven, Emsdetten, Ibbenbüren, Tecklenburg, Lienen, Riesenbeck und Westerkappeln. Zwar gewann der Europabund mit Dr. Heinz Fritz aus Emsdetten im Altkreis Burgsteinfurt die Oberhand, doch mit dem am 20. November 1947 in Hagen gefassten Fusionsbeschluss beider Gruppierungen wurde dem neugegründeten Verband der Name „Europa-Union“ gegeben. Stellvertretender Vorsitzender der Europa-Union Steinfurt e.V., Bernd Weber, hat die bislang nahezu unbekannte Geschichte des Kreisverbandes fortgeschrieben und wird sie in diesem Sommer 2021 in der Zeitschrift „Rheine-gestern, heute, morgen“ veröffentlichen. Interessenten können sich gerne an die Geschäftsstelle der EUD-Steinfurt wenden.