Rheine. Die Europa-Union Steinfurt forderte am vergangenen Mittwoch im Kubus-Tagungshaus Bentlage vor einem interessierten Publikum einen stärkeren Zusammenhalt der Menschen und Mitgliedsstaaten in Europa. Nur gemeinsam sei man in der Lage, sich in der von Autokratien wie China und Russland angestrebten neuen Weltordnung zu behaupten. Anlass dafür bot die noch bis zum kommenden Montag in Bentlage gezeigte Ausstellung „Me & You – Europa macht Menschen glücklich“.
Vorsitzende Dr. Angelika Kordfelder führte in Idee, die Entstehung und die Inhalte der Ausstellung ein, die bis zum kommenden Frühjahr in acht weiteren Städten und Gemeinden des Kreises Steinfurt gezeigt werden wird. Fotograf Hermann Willers habe seine Idee, die im Kreis Steinfurt lebenden Paare mit europäischem Hintergrund in 24 Portraits hervorragend umgesetzt. Hinzugekommen seien dann die in der Ausstellung und in einem Begleitbuch festgehaltenen Lebensgeschichten, die auch Wünsche und Forderungen zur zukünftigen Gestaltung Europas enthielten. Mit einem positiven Blick auf das in Europa seit sieben Jahrzehnten Erreichte, mache die Ausstellung deutlich, wie der Zusammenhalt in Europa heute schon in den Familien der bi-nationalen Paare unter uns im Kreis Steinfurt gelebt werde.
Deutlich wurde dieses an dem Abend vor allem in dem vom Geschäftsführer der Europa-Union Steinfurt geführten Interview mit dem in Rheine lebenden Ehepaar Annika und Ron Detiège. Annika stammt aus Rheine, Ron aus Belgien, wo sich auch beide vor Jahren kennen und lieben lernten. Ihre in Belgien beginnende Familiengeschichte mit der sprachlichen Annäherung, der Geburt der Kinder und dem Wechsel in ein in Rheine gebautes Haus lässt sich per QR-Code in der Ausstellung nachvollziehen. Begeistert ist Annika immer noch von dem unproblematischen Wechsel der Familie von Belgien nach Deutschland: „Probleme gab es nicht. Im Gegenteil, die europäische Bürokratie funktionierte problemlos!“
Den Bogen von den Paaren als kleinste Möglichkeit des Zusammenlebens zum gemeinsamen Europa zog in seinem Vortrag der Stellvertretende Vorsitzende der Europa-Union Steinfurt, Bernd Weber. Er verwies auf das sich verbreitende Gefühl der Unsicherheit unter den Menschen, den brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und den sich daraus ergebenden großen Herausforderungen Europas. Er machte anhand der Lebensgeschichten der 24 beteiligten Paare und ihren Aussagen aber auch deutlich, um welche Werte es gehe, die Europa zu verteidigen habe.
Für Bela und Uwe Berkemer aus Ibbenbüren sei es die Freizügigkeit, ohne Grenzen quer durch Europa reisen zu können. Für Max und Sabrina Bertemes aus Neuenkirchen komme hinzu, über all in der EU wohnen und arbeiten zu können. Sandrine und Burkhard Hövelmeyer aus Recke-Steinbeck setzen auf die Rechtsstaatlichkeit, weil man sich in Europa gegen staatliche Eingriffe gerichtlich wehren könne. Marion und Julian Kroll aus Ibbenbüren schätzen die über sieben Jahrzehnte gehaltene Friedensgarantie innerhalb der EU-Staaten, die leider jetzt von außen durch Russland gefährdet sei. Für Michaela und Jan Cordesmeyer aus Rheine zählt der europäische Binnenmarkt zu den großen Vorteilen und sie spüren und bedauern, dass England durch den Brexit die EU verließ. Andere schätzten die Möglichkeit junger Menschen, im EU-Ausland studieren zu können, das Erasmus-Austauschprogramm, die durch den freien Handel größere Auswahl an Produkten und vieles mehr. Das Fazit von Günter und Ines Gromotka aus Steinfurt: „Wir sind uns in Europa von der Entstehung bis heute nähergekommen als je zuvor!“
Um all das zu verteidigen, sei der Zusammenhalt in Europa notwendig und jeder könne tagtäglich etwas dazu beitragen. Weber forderte dazu auf, Mitmenschen nicht als Fremde, sondern als Nachbarn wahrzunehmen, Solidarität zu zeigen, wenn Menschen in Not seien, kritisch aber konstruktiv gegenüber der EU zu sein und Zivilcourage zu zeigen, wenn Diskriminierung und Nationalismus aufträten. Er forderte auf: „Sehen wir Europa nicht als eine lästige Bürokratie, sondern als ein gemeinsames, unverzichtbares Lebensprojekt“.