Steinfurt/Hagen. Mitglieder und Gäste der Europa-Union Steinfurt waren am vergangenen Wochenende wieder unter Leitung von Dr. Oliver Karnau vom LWL-Münster auf den Spuren Europas in Westfalen. In diesem Jahr stand der „Hagener Impuls“ im Mittelpunkt der Exkursion, der maßgeblich Karl-Ernst Osthaus in seiner Heimatstadt geprägt wurde. Das 1902 errichtete Karl-Ernst-Osthaus-Museum, seine 1906-1908 im Jugendstil errichtete „Villa Hohenhof“, die Künstlerkolonie „Gartenstadt Hohenhagen“ und das Krematorium in Hagen-Delstern (1907) gehören zu diesem Abschnitt der Geschichte, die Hagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Schauplatz für eine im Internationalen Maßstab wichtige Entwicklung machte. Viele der im „Hagener Impuls“ entstandenen und von internationalen Architekten und Künstlern gestalteten Gebäude zählen heute zur Route der Industriekultur. Die Idee des durch Erbschaft und Ehe zu Reichtum gekommenen Hagener Mäzens Karl-Ernst Osthaus war es, die Schönheit wieder zur herrschenden Macht im Leben werden zu lassen, denn die im Zuge der Industrialisierung „unter grauen Gebäuden verschwundene und jetzt von Krach, Dreck und Qualm durchzogene Landschaft ging ihm gewaltig auf den Keks.“
Architektur und Kunst waren seine Welt und ließen ihn weit über den Tellerrand des Ruhrgebietes hinausblicken. Den namhaften Künstlerarchitekten Henry van de Velde engagierte er für den Innenausbau seines brandneuen Museums, dem Geburtshaus des heutigen Folkwang-Museums in Essen. Von ihm ließ er sich auch seine ganz im Jugendstil konzipierte „Villa Hohenhof“ planen und bauen und mit Werken der Schweizer Künstler Hermann Haller und Ferdinand Hodler sowie dem Franzosen Henri Matisse und dem Niederländer Thorn Prikker ausstatten. Die nach historischem Vorbild wieder errichtete Gartenanlage wird im kommenden Jahr Teil der Internationalen Gartenausstellung sein. Die Kunsthistorikerin Dr. Carolin Krüger-Bahr und die Leiterin des Denkmalschutzes und der Stadtarchäologie Hagen Mirjam Kötter brachten den Gästen die Einzigartigkeit der Jugendstilvilla und des sie umgebenden Parks näher.
Neben dem Osthaus-Museum und der „Villa Hohenhof“ war dann das Krematorium auf dem Friedhof in Hagen-Delstern ein weiterer Höhepunkt der Reise. Es ist die erste Anlage für Feuerbestattung in Preußen. Das das Hagener Krematorium durch den später als AEG-Chefdesigner zu Weltruhm gelangten Peter Behrens gebaut wurde, ist wieder dem Mitbegründer des Feuerbestattungsvereins und Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus zu verdanken. Wie der Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff berichtete, diente Behrens die Florentiner Kirche San Miniato al Monte als formales Vorbild.
Foto: Bernd Weber
Mitglieder und Gäste der Europa-Union Steinfurt entdeckten am vergangenen Wochenende wieder Europas Spuren in Westfalen. In diesem Jahr stand der „Hagener Impuls“ im Mittelpunkt. Das Foto zeigt die Gruppe vor einem der bedeutendsten Gebäuden der Moderne in Europa, der „Villa Hohenhof“ in Hagen.